Der Soldat oder man gönnt sich ja sonst auch alles (Teil 2)

Vor einer Woche war ich an einem Geburtstag eingeladen auf den ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte. Es ist ein seltsames Phänomen der Menschen in ihren 20igern ihre Geburtstage in Restaurants zu feiern in denen man aber selbst bezahlen muss. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht geizig und ich esse eigentlich auch gerne wo anders als zuhause, jedoch suche ich mir den Ort und die Zeit gerne aus. Zu allem Überfluss lebe ich eine der teuersten Städte der Welt und mit meinem etwas dürftigen Kellnerinnen Lohn ist so ein Abendessen in einem Restaurant nichts wirklich alltägliches. Da es sich aber um einen guten Freund handelte und ich sowieso schon zugesagt hatte, machte ich mich etwas wiederwillig fertig und wie so oft, lohnte es sich letztendlich dann doch.

Der Abend war nett, ich zählte mit zwei anderen Mädchen unter den ungefähr 20 Gästen zu den einzig weiblichen Anwesenden und nachdem sich die Gruppe etwas aufgelöst hatte sassen wir noch zu siebt in einer Bar und tranken noch Bier. Es kam die Frage des Weiterziehens auf und da ich mein Budget für den Abend schon etwas aufgebraucht hatte, lehnte ich höflich ab als ich gefragt wurde ob ich noch Lust hätte in einen anderen Stadtteil in einen Club zu gehen. Das andere verbliebene Mädchen stimmte mir zu, machte jedoch den Gegenvorschlag in einen Club ganz in der Nähe zu gehen, in welchem man keinen Eintritt bezahlen musste, da es sich mehr um eine Bar mit DJ handelte. Nach ein wenig hin und her einigten sich die Männer darauf, dass sie den Kompromiss eingehen würde, da sie ja doch ungern auf weibliche Begleitung verzichteten. So fand ich mich wieder in dem selben Club in dem ich vor genau 2 Wochen den Soldat kennen gelernt hatte und natürlich funkte in mir kurz die Hoffnung auf, dass er vielleicht auch in diesem Loch laden würde aber wusste gleichzeitig, dass dies wohl wirklich zu viel des Guten wäre und verwarf den Gedanken wieder.

Ich traf sogar noch zwei meiner besten Freunde im selben Club, was definitiv ein Vorteil davon ist in einer Stadt die sich zwar gross fühlt aber trotzdem unglaublich klein ist, zu leben. Als ich mit den beiden Mal wieder draussen stand und so das Treiben der Feierwütigen beobachtete sah ich wie vor dem Club, aus dem ich gerade herausgekommen war jemand stand. Jeder der das hier grade liest hat es wohl schon irgendwie geahnt, denn wenn dieser Typ nicht da gestanden hätte, hätte ich wohl kaum diesen Eintrag verfasst (hätte, hätte, Fahrradkette).

Da stand er also wirklich. Der Soldat. Genau so schön wie ich ihn in Erinnerung hatte und ungefähr genau so betrunken wie das letzte Mal. Als er mich erblickte breitete sich, zu meiner grossen Erleichterung, ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Er umarmte mich und fragte mich ziemlich normal wie es mir ginge und so weiter. Meine Gedanken spielten Verrückt. Ist das nun Zufall? Schicksal? Ich wusste auf jeden Fall, dass ich diese Gelegenheit nicht einfach zu verstreichen lassen konnte, war aber trotzdem irgendwie gehemmt, ja fast schon wieder schüchtern. Irgendwie war es dieses Mal schwieriger als beim ersten Mal. Ich muss ihn wohl den ganzen Abend immer wieder ziemlich auffällig angeschaut haben und der Junge hatte nichts besseres zu tun als mir zu zuzwinkern. Es war zum verzweifeln.

Ich glaube ich bin manchmal zu stur mit solchen Sachen oder habe so Angst davor irgendwas zu bereuen, dass diese Angst grösser wird als die eigentlich Angst davor mir komplett zu blamieren. Meine zwei Freunde hatten mit mittgeteilt, dass sie nachhause wollten, das Geburtstagskind hatte seine eigene Beschäftigung und ich war nun direkt vor die Entscheidung von Ganz oder Garnichts gestellt. Ich drehte mich also um, von einer Welle von Mut (oder Bier, weiss man manchmal nicht so genau) überrollt, und ging zu ihm. Ich weiss nicht mehr genau was ich gesagt hab um das Gespräch zu eröffnen. Unglaublich schlau war es bestimmt nicht aber ich merkte wie er mich doch auffordern ansah und so fragte ich ihn (ich weiss wie unsexy die Frage ist, aber ich bin wohl doch zu gut erzogen … oder doch noch zu schüchtern) ob ich ihn küssen dürfe. Er hat nicht geantwortet, sondern mich geküsst.

Von da an war alles eine Art Deja-vu von vor zwei Wochen, ausser dass er mich eine Sache wissen liess. „Ich war das letzte Mal zu schüchtern um dich nach deiner Nummer zu fragen“ Ich hab fast mein Bier fallen gelassen. Ich schaute ihn entgeistert an. Zu??? Schüchtern??? Dies, meine Damen und Herren, ist das klassische Missverständnis meiner Generation. Annahmen treffen und Herum-interpretieren statt einfach Mal nachzufragen. Er musste meinen Blick bemerkt haben und lachte. Es sei mir ähnlich gegangen sagte ich ihm, aber auch dass ich dachte, dass das überhaupt nicht in seinem Interesse läge. Er schüttelte den Kopf. Er sei wirklich schüchtern. Wirklich glauben konnte ich es nicht aber ich nahm es so hin und irgendwie fand ich es auch süss.

Als er mich dann Morgens um 6 (die Sonne war schon fast zu sehen) wieder auf die Strasse raus zog schaute ich in ein unglaublich müdes Gesicht. Es tat mir fast schon Leid. Er erklärte mir, dass er Nachtwache gehabt hatte die letzte Woche, in den letzten 48 Stunden also nur 6 Stunden geschlafen hatte und eigentlich keine Ahnung hatte warum er an diesem Abend entschieden hatte wegzugehen. Seine Worte kamen nicht mehr ganz so klar aus seinem Mund und so etwas wie Fürsorge oder Mittleid regte sich in mir. Ich fragte ihn, ob ich ihn irgendwo hin begleiten solle, zum Zug oder so, nur um sicher zu gehen dass er es Nachhause schaffte. Er schüttelte den Kopf und sagte mir er wollte ein Taxi nehmen. „Willst du mitkommen?“ fragte er nach einem Kuss. Ich überlegte kurz, nichtmal weil ich zögerte sondern mehr weil ich merkte, dass ich nichts ausser meinem Pullover und einer kleinen Tasche dabei hatte. „Wir können auch zu dir. Ist mir wirklich egal, ich will einfach nur ins Bett“. Ich nickte und sagte ihm dass er gerne zu mir kommen könne (Ich wohne um einiges zentraler als der junge Herr), gab aber zu dass meine Mutter und meine Schwester zuhause waren. Er zuckte die Schultern. Er wolle nur noch ins Bett.

Da ich mich gewohnt bin, meistens vom feiern nachhause zu laufen zog ich ihn an der Hand in Richtung Hauptbahnhof, da wir dort die Strassenbahn nehmen konnten. Er war störrisch, müde und betrunken. Blieb immer wieder stehen um zu sagen wie müde er sei oder um mich zu küssen. Als er endlich neben mir in der Strassenbahn sass, legte er seinen Kopf auf meine Schulter. Es muss ein seltsames Bild gewesen sein.

Bei mir angekommen mobilisierte er dann doch noch Etwas Energie (wie schaffen Männer das?) und wollte nicht auf mich hören als ich sagte er solle doch einfach nur schlafen gehen. Nachdem alle seine Bedürfnisse aber gestillt waren, ich ihn gezwungen hatte ein Glas Wasser zu trinken und er es sich gemütlich zwischen meinen Tausenden von Kissen gemacht hatte schlief er in den tiefsten Schlaf den ich je erlebt hatte. Hätte er nicht leise geschnarcht hätte ich wohl gedacht er sei tot. Ich brachte es nicht übers Herz ihn zu wecken am nächsten Morgen und irgendwie wachte er um 2 Uhr Nachmittags dann doch von alleine auf, jedoch ziemlich unglücklich darüber dass es schon so spät war und er immer noch so müde. Er lud mich sehr charmant, zurück in mein eigenes Bett ein, das ich verlassen hatte um mein Zimmer aufzuräumen (es wird irgendwann langweilig, hübschen Männern beim Schlafen zu zusehen) und ich folgte der Einladung.

Erst wollte er um 15 Uhr gehen, dann 16 Uhr und letztendlich war es kurz vor 17 Uhr als mein Haus verliess. Die Zeit ging schnell und ich habe selten einen solch schönen Sonntag Morgen verbracht. Kurz bevor er ging fragte ich ihn ob ich sein Handy kurz haben darf. Ich habe ihm meine Nummer gegeben, einfach Mal so. Ich habe seine nicht, ob das schlau war kann ich noch nicht so genau sagen. Gemeldet hat er sich bis jetzt noch nicht und ich merke, dass Marmelade manchmal bitter werden kann wenn man das Glas wieder aufmacht.

Der Soldat oder man gönnt sich ja sonst auch alles (Teil 1)

An einem Samstag Abend vor ungefähr 3 Wochen lud mich eine gute Freundin zu sich Nachhause ein. Der Plan war eigentlich einfach ein gemütliches Beisammensitzen, etwas trinken, plaudern. Wir setzten diesen Plan auch um aber nach ein paar Gläsern mehr als geplant und einigen angeregten Diskussionen schlug sie vor noch weg zu gehen. Es war vielleicht kurz vor Mitternacht und da ich am nächsten Tag weder arbeiten noch sonst irgendwelche Verpflichtungen hatte, schien es mir eine gute Idee von unserem erreichten Alkoholpegel „Gebrauch“ zu machen. Wir nahmen ein Taxi Richtung Innenstadt um im (fast) ehemaligen Rotlichtviertel in eine Bar zu gehen, in der jedes Wochenende absoluter Trash Sound gespielt wurde, welcher zwar musikalisch nicht ganz hochstehend ist aber jede Menge Spass beim tanzen bringt.

Als wir kurz draussen sassen bei einer Zigarette kam der Satz den man als 20-jähriges Single Mädel dauernd von seinen vergebenen Freunden zu hören kriegt: „Komm, wir suchen dir jetzt einen Typen.“ Man muss vielleicht anmerken, dass meine Freundin in genau diesem Club vor über einem Jahr ihren Freund kennen gelernt hat, was ich aber für einen absoluten Glücksfall halte. Ich lachte als Antwort und zog sie wieder hinein um tanzen zu gehen, da dass eigentlich mein Hauptziel für diesen Abend gewesen war.

Zu fortgeschrittener Stunde betrat eine kleine Gruppe junger Männer den Club. Einer der drei stach mir sofort ins Auge und ich zeigte ihn unauffällig meiner Freundin. Sie nickte anerkennend und bedeutete mich ihn anzusprechen. Ich schüttelte den Kopf. So einfach ist das nicht. Meine Flirttechnik besteht eigentlich darin, Männer immer wieder anzusehen, vielleicht mal zu lächeln und dann zu warten bis sie plötzlich vor mir stehen. Ist super bescheuert und klappt vielleicht zu 50%. An dieser Stelle muss man meiner Freundin (wir nennen sie jetzt Mal Goldie) hoch anrechnen dass sie die ultimative Verkupplerin, oder um es cool auszudrücken Wingwoman, ist. Sie schaffte es, dass wir plötzlich bei den drei Jungs standen, völlig beiläufig natürlich und ich schaffte es beim tanzen einen näheren Blick auf den jungen Mann zu erhaschen. Er gefiel mir unglaublich gut. Er war zwar nicht so gross wie es meinem eigentlichen „Typ“ entsprach, kompensierte dies aber auf jeden Fall mit einem hübschen Gesicht. Unsere Blicke trafen sich immer Mal wieder und er lächelte mir sogar zu.

Die drei Jungs wurden, ohne dass wir überhaupt ein Wort mit ihnen gewechselt hatten, zu unseren Freunden. Wir waren nun also zu fünft, es wurde Bier geholt, gelacht, getanzt und sie erzählten uns dass sie bei der Armee sind (Hier ist vielleicht wichtig zu erwähnen, dass hier wo ich lebe der Wehrdienst für junge Männer noch obligatorisch ist). Als der Junge, der mir so gut gefiel an die Bar verschwand fragte ich einen seiner Freunde ob er eine Freundin hatte. Er lachte und schaute mich prüfend an. Ich merkte, dass es nun kein zurück mehr gab, aber ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt einfach nicht gewusst, wie ich das ganze sonst hätte ins Rollen bringen können. Als er endlich den Kopf schüttelte grinste ich und Goldie zog mich im nächsten Moment nach draussen um zum einem der stickigen Luft zu entkommen und zum anderen um eine Zigarette zu rauchen. Ich beriet mich mit ihr, etwas verzweifelt darüber dass ich keine Ahnung hatte wie ich das jetzt wirklich anstellen sollte. Als wir wieder hinein gingen gaben uns die charmanten Soldaten noch ein Bier aus, was dazu führte, dass ich plötzlich vor meinem Objekt der Begierde stand und dieser mich zum ersten Mal an diesem Abend etwas fragte. Woher ich komme und so weiter. Ich schaute rüber zu seinem Kumpel der mich nur hämisch angrinste. Jedoch kam mir seine Indiskretion nur zu Gute denn das nächste was ich wusste, war dass der Soldat mich küsste. Einfach so, ohne dass ich wirklich etwas gemacht hatte.

Ab diesem Moment liessen wir nicht mehr wirklich voneinander ab und als wir draussen standen, wo es langsam dämmerte fragte er mich die Frage die ich sonst so gut wie immer verneine. „Wollen wir gehen?“. In meinem Kopf ratterte es. Musst du morgen früh aufstehen? Nein. Hast du genau heute Morgen deine Beine rasiert? Ja. Gefällt dir dein Gegenüber? Und wie. Ich schaute ihn an und sagte einfach nur „Ja.“ 

Auf dem Weg zu ihm hielt er meine Hand und während wir auf der Rückbank eines Taxis rummachten spielte der Taxifahrer religiöse Popsongs.

Während es draussen dämmerte lag ich seinem Bett und wir schliefen miteinander. Es war schön und in mir löste sich eine innere Anspannung die sich über die letzten 8 bis 9 Monate aufgebaut hatte (Mein längster Dry Spell den ich je hatte). Mir war es schon immer sehr wichtig Sex mit jemandem nicht bereuen zu müssen und mir war in diesem Moment einfach klar, dass ich das in diesem Fall nicht werde. Er hielt mich fest, die ganze Nacht und ich schlief ziemlich zufrieden ein.

Wenn Menschen von One Night Stands erzählen, wird der Morgen danach oft sehr unangenehm geschildert. War es in diesem Fall überhaupt nicht, sogar das Gegenteil war der Fall. Als er dann das zweite Mal erschöpft neben mich wieder aufs Laken fiel überlegte ich ob es Sinn machen würde ihn nach seiner Nummer zu fragen, oder ihm meine zu geben. Ich spielte das Szenario in meinem Kopf durch und konnte mir unter den gegebenen Umständen nur vorstellen, dass es die Situation verschlechtern würde. Ich hatte später Mühe, das meinen Freundinnen zu erklären bis meine Cousine in einem Gespräch die richtigen Worte fand: „Auf manche Marmeladengläser kann man auch einfach einen Deckel drauf machen und froh darüber sein, dass man sie hat.“ Es war eigentlich ein egoistischer Akt. Ich wollte mir diese Erfahrung selber nicht kaputt machen und vielleicht eine Zurückweisung erleben. Ich erklärte ihm also, dass ich nun gehen würde und er zeigte sich verständnisvoll. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl bei der Sache, nicht der One Night Stand zu sein der am nächsten Morgen nicht merkt wann es Zeit ist zu gehen und auch nicht die Person zu sein, die dem ganzen mehr Bedeutung als nötig beigemessen hatte. So brachte er mich zur Tür, erklärte mir wo die nächste Busstation war und küsste mich noch einmal zum Abschied. Zugegebenermassen fiel es mir nicht ganz so leicht einfach zu gehen aber ich gab mich mit dem Gedanken zufrieden dass wenn es so sein sollte, ich ihm irgendwann wieder über den Weg laufen würde…

Die Sache mit der Angst oder eine Liebeserklärung an meine Freunde

Ich muss diesem Beitrag eine wichtige Information vorwegnehmen, die das Verstehen der geschilderten Ereignisse erleichtern sollte, jedoch ist mir auch klar, dass viele Menschen die das lesen vielleicht nicht ganz verstehen können „was mein Problem ist“. Manchmal weiss ich das nämlich selber nicht so genau. Um es kurz zu machen: Ich leide unter einer Angststörung, auch unter dem Namen Anxiety bekannt. Angststörungen kommen in den verschiedensten Formen und Ausprägungen und können durch die verschiedensten Situationen und Dinge ausgelöst werden. Bei mir ist es vor allem eine Angst vor dem Kontrollverlust oder dem Ausgeliefert sein. Ich habe durch die Störung einen relativ nervösen Grundzustand der mich manchmal im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf raubt.

„Warum bist du denn nervös?“, fragen mich meine Freunde oft und ich gerate in Erklärungsnot. Es sind objektiv gesehen irrationale Ängste, jedoch schafft es mein Hirn mir in Situationen Szenarien zu fabrizieren die mir einen Stein auf die Brust legen, meine Hände zittrig und kalt werden lassen und ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen. Ich betrete einen Raum wo ich fast niemanden kenne und mein Herz rast oder ich sitze alleine in einem Flugzeug, davon ausgehend dass ich keine Flugangst habe,  und plötzlich habe ich das Gefühl ohnmächtig zu werden. Die Panikattacken sind der Ausbruch dieser Angst, der grausame Höhepunkt, jedoch ist es genau so schlimm wenn es nicht so weit kommt und ich mit der Angst ganze Abende verbringen muss und mich irgendwie versuchen muss zu beruhigen, was Mal besser und Mal schlechter klappt. Es schränkt einen sehr ein, man sagt Dinge ab und versucht Situationen zu vermeiden die Angst provozieren könnten. Angst vor der Angst, es ist ein Teufelskreis. Während ich darunter leide ist es wohl auch für meine Freunde nicht immer einfach und ich muss an dieser Stelle sagen, wie dankbar ich für sie alle bin. Auch wenn es nicht jeder nachvollziehen kann sind die meisten eher verständnisvoll und sagen unzählige Male dass alles okay ist, fragen Sachen für mich nach, erklären mir tausend Mal einen Weg oder lassen mich an Parties nicht irgendwo sitzen. Wenn wir in einem engen Club sind stossen sie Menschen weg wenn mir diese zu nahe kommen, wissend dass mich zu Enge Räume in denen ich glaube nicht schnell gehen zu können, ängstigen. Sie kommen mit mir nach draussen wenn ich sie danach frage und bejahen immer unglaublich liebenswürdig die Frage „Können wir zusammen hingehen?“. Ich klinge unglaublich unselbstständig und das mit 20. Trotzdem muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass all diese Situationen die Voraussetzung haben, dass ich überhaupt irgendwo hingegangen bin. Es gab Zeiten da habe ich einfach aus Prinzip gesagt, dass ich nicht mir raus komme, wollte den anderen nicht die Stimmung vermiesen oder nervig sein. Das führt irgendwann dazu, dass dich niemand mehr einlädt weil sie denken dass du sowieso nicht kommen willst. Dies hat dann dazu geführt dass ich traurig zuhause sass und dachte dass sie mich alle nicht mehr mögen und sowieso sauer auf mich sind (ein anderes Talent von mir: Gründe ausdenken warum Leute sauer auf mich sind.).

Ein Leben mit einer Angststörung ist sau anstrengend. Es braucht viel Kraft und Wille dagegen anzukämpfen und nicht jeder Angst nachzugehen. Zu sagen „Was wenn nicht“ wenn mein Kopf mir Mal wieder „Ja, aber was wenn…“ sagen will. Meine Freunde fordern mich aber auch in diesem Punkt. „Zwingen“ mich raus zukommen, an Orte an denen ich wenige kenne, stellen mich Menschen vor und lassen mich dann alleine mit ihnen reden, lassen mich das Essen für alle bestellen, wählen Nummern und drücken mir dann das Handy in die Hand, damit ich endlich den Anruf erledige den ich seit Wochen vor mir her schiebe. Ich hasse und liebe sie dafür. Hasse sie, weil ich in dem Moment glaube zu sterben aber liebe sie dafür dass sie hinterher nicht sagen „So schlimm wars doch gar nicht“ sondern „Ich bin stolz auf dich.“

Trauma Bewältigung oder warum ich mit meinem Ex-Freund Bier trinke

Bevor ich hier jetzt drauf los schreibe sollte ich diesem Post vielleicht einige Grundinformationen voraus legen. Zum ersten wird mir nachgesagt (mit eher handfesten Grundlagen) dass ich auf einen bestimmten Typ Mann stehe. Es geht hier nicht mal unbedingt um ein gewisses Aussehen (obwohl ich mir auch da ein paar Tendenzen eingestehen musste), sondern mehr um die Interessen und das Grundwesen eines Typen. Ich stehe irgendwie auf Nerds. Natürlich denken jetzt die meisten an Big Bang Theory und Sheldon Cooper Verschnitte, jedoch meine ich dann doch eher die normalen Typen deren Interessen aber schon in das Klischeehafte Nerd Dasein gehen. Daher habe ich es geschafft dass meine beiden Verflossenen dasselbe studieren und auch meine anderen ehemaligen Flammen sich alle an derselben Uni bewegen, welche als Hochburg für Nerds glit. Kennen tun sie sich alle nicht wirklich (wobei ich manchmal denke dass dies auch nur noch eine Frage der Zeit ist), denn immerhin habe ich mich von Studiengängen wie Maschinenbau auch mal Richtung Elektrotechnik, Informatik und sogar Mal Architektur bewegt.

Wie diese Präferenz entstanden ist, darüber hat jeder so seine Theorien aber die zweite wichtige Grundinformation ist, dass ich quasi auf dem Unicampus lebe, was in meiner Heimatstadt möglich ist, da schönes Mittelstands Viertel direkt an Hauptgebäude der beiden grössten Unis der Stadt grenzt (Frage mich grade wieviel Anonymität mir diese Information nimmt aber was solls.) Dieser Fakt führt vor allem dazu, dass jeder Gang aus dem Haus eine sehr hohe Möglichkeit mit sich bringt, allen Menschen mit denen ich jemals in irgendeiner Form ,ich sage mal, intim war, ca. 50% über den Weg zu laufen. Ist in gewisser Weise gut, da ich so nie lange auf das erste unangenehme Zusammentreffen warten muss, jedoch auch irgendwie unangenehm, weil eben unangenehmen Zusammentreffen.

Da aber die Chancen immer relativ hoch sind, weiss jeder der jemals etwas von Mathe verstanden hat, ist auch die Häufigkeit solcher Zusammentreffen höher, was dann die unangenehme Komponente der Zusammentreffen wieder verringert, Trauma-Bewältigung wie meine Stiefmutter es Mal im Halbscherz genannt hat. Einer meiner ersten Einträge auf diesem Blog war ein Bericht über das erste Zusammentreffen nach der Trennung mit meinem Ex-Freund (hier, falls jemand nachlesen möchte) und wie unangenehm es wirklich war. Tatsächlich wird es mit der Zeit weniger unangenehm. Man gewöhnt sich daran und die Sache wird auch dadurch einfach, dass ich ein Talent zu haben scheine, auszublenden was Menschen mir angetan haben, oder ich bin schlicht einfach nicht nachtragend. So lief ich meinem Ex-Freund nach dem ersten sehr unangenehmen Treffen immer Mal wieder über dem Weg und gratulierte ihm zum Geburtstag was dazu führte, dass er mich fragte ob wir Mal einen Kaffee trinken gehen wollen. Unverbindlich und ungezwungen natürlich. Aus diesem Prinzip heraus, sass ich ihm dann am letzten Montag bei Sonnenschein, zwei Gläser Bier zwischen uns, gegenüber. Wir verstehen uns gut, haben es offensichtlich schon immer getan. Reden über das Studium, unsere Familien, Freunde, Ferien und so weiter und es ist eigentlich alles in Ordnung. Aber es ist eben eigentlich nur in Ordnung weil wir die stille Abmachung haben, nicht über das Vergangene zu sprechen. Es ist als ob die Zeit die wir gemeinsam hatten, sowie das unschöne Ende, nie existiert hätten. Dies ist vermutlich der Preis den man bezahlen muss, wenn man mit einem Ex befreundet bleiben will. Man darf nicht an das Vergangene denken und es funktioniert auch nur, weil keinerlei Gefühle mehr da sind, weder romantische noch wütende oder traurige. Man lässt es einfach hinter sich, irgendwie.

Da sass mir nun meine erste grosse Liebe gegenüber. Grinsend, mit seiner Sonnenbrille im Gesicht und erzählte, wie meistens, von sich selbst. Es hat mir nie etwas ausgemacht dass er so ist und wie ich ihm so zuhöre, wie er über sich redet, frage ich mich doch kurz „Könnte das heute noch funktionieren?“. Innerlich schüttle ich den Kopf. Die Trennung hat mich verändert und alles was danach kam auch. Logischerweise. Ich wäre vielleicht nicht an dem Punkt an dem ich jetzt wäre, wäre das nicht passiert. Ich weiss zwar noch was mir an ihm gefallen hat und es gefällt mir irgendwie immer noch, aber so weit geht nicht Mal meine emotionale Amnesie. Es ist irgendwie seltsam. Hätten wir unsere Hürden irgendwie überwunden, wären wir vielleicht heute noch zusammen aber auf Grund dessen was passiert ist, scheint es mir unmöglich. Nach knapp 2 Stunden angenehmen aber nicht gerade umwerfenden Gesprächs verabschieden wir uns wieder. Er sagt mir, dass es ihn gefreut habe mich wieder zu sehen und ich erwidere es und meine es auch so. Trotzdem merke ich beim Weggehen, dass es sich richtig anfühlt, getrennte Wege zu gehen, in jeder Hinsicht.

 

(Anmerkung: auf Grund meiner technischen Unfähigkeit wurde dieser Post schon einmal unfertig veröffentlicht und ich musste ihn neu schreiben, ich hoffe er findet trotzdem noch ein paar Leser)

Hört das eigentlich irgendwann mal auf oder warum ich zu viel Fantasie habe

Ich hatte schon immer eine blühende Fantasie. Diese Eigenschaft kann einem zu Gute kommen, wenn man als Kind fantasievolle Aufsätze schreiben muss oder wenn man jemandem einen Witz erzählt. Das mit der Fantasie kann aber auch nach hinten los gehen, gemischt mit ein wenig Paranoia wirds sogar richtig unangenehm.

Seit Wochen sehe ich immer wieder wie der Prinz (wer grade erst eingeschaltet hat und dieser Name nicht sagt kann hier mein Fairytale gone wrong nachlesen) ein Mädel auf Facebook auf irgendwelchen Sachen markiert. So markiert wie man das eben heute so macht, auf lustigen Fotos oder Videos. So wie man es mit guten Freunden macht, so wie auch ich es mit meiner Schwester, meiner besten Freundin oder meinen männlichen Freunden tue. Trotzdem springt meine Fantasie sofort an. Ich sitze da, vor meinem Laptop und schäme mich eigentlich unglaublich, dass ich gerade dieses Bild von diesem Mädchen anschaue von dem ich eigentlich keine Ahnung hab wer sie ist. „Das ist bestimmt seine Freundin, bei dir war er noch nicht so weit aber jetzt hat er sie gefunden und sie macht ihn bestimmt viel glücklicher und mit ihr will er auch zusammen sein“, wie dumm es klingt weiss ich selber aber auch die rationalen Gedanken von „Ach komm, dass ist irgendwer, du hast ja auch viele männliche Freunde jetzt sei mal nicht so paranoid.“ helfen eigentlich wenig denn eine Antwort werde ich wohl kaum erhalten. Das schlimme ist ja eigentlich, dass es keine Rolle spielen darf. Dass es nicht mehr meine Sache ist. Er hat mich verlassen, ist gegangen, wollte eben nichts Ernstes. So wie das Leben eben spielt. Natürlich war ich traurig und ja, auch heute vermisse ich ihn noch, wahrscheinlich auch deswegen weil ich bis heute das Gefühl habe, dass niemand an ihn herankommt, was sich vermutlich und hoffentlich irgendwann einmal revidieren wird.

Ich habe ihn einmal zusammen mit einem Mädchen Kaffee trinken sehen, in der Mensa. Mein Herz ist fast stehen geblieben, wobei die beiden sich einfach normal gegenüber sassen und miteinander gesprochen haben. „Du musst aufhören dich selber so zu bemitleiden“, hat J. mir gesagt nachdem ich mich statt zum Sport zu gehen, nach meiner Entdeckung auf dem Klo eingeschlossen hab und dann wie ein geschlagener Hund Nachhause gegangen bin. Nur wegen ihm. 5 Monate nach der Trennung. Ein persönlicher Tiefpunktrekord.

„Soll er denn für immer alleine bleiben?“ Ja… Irgendwie schon, aber natürlich auch nicht. Es ist ein Konflikt zwischen Herz und Verstand. Zwischen Er soll mir egal sein und Bitte komm zurück. Er soll glücklich sein und ich soll auch glücklich sein. Vor allem muss ich aber auch ohne ihn glücklich sein, Dinge so akzeptieren wie sie sind und vor allem mir nicht den Kopf über die zerbrechen die ich 1. nicht weiss und 2. eigentlich irrelevant im Bezug auf mein Leben sind. Ändern könnte ich so oder so nichts daran. Ich glaube es liegt daran, dass ich manchmal doch sehr stur sein kann. Mir macht am meisten das Unverständnis darüber zu schaffen, dass es eben nicht so funktioniert hat wie ich wollte, wobei ich mir so sicher war. Mein Herz gaukelt mir dann manchmal vor, dass er das schon auch noch merken wird, dass wir bestimmt wieder zusammen finden, weil wir ja füreinander bestimmt sind. Man sei ja nicht umsonst so verliebt. Aber ich muss mich dann manchmal hinsetzten und mit meinem Herz ein erstes Wörtchen reden, weil auch wenn solche Dinge nicht ausgeschlossen sind, das Szenario sicher nicht das ist worauf man sich einstellen geschweige denn warten sollte.

Dieser Beitrag ist ein ziemliches Durcheinander, merke ich selber aber irgendwie musste das jetzt wohl grade raus. Kind regards, Rapunzel

„Wie hast du eigentlich Papa kennen gelernt?“ oder Online Dating

„Willing to lie about how we met“. Diesen Spruch sehe ich immer wieder. Neben den nun scheinbar normalsten Hobbys wie Reisen, Wein trinken, gute Gespräche, Gym und so weiter. Man könnte schon fast ein Trinkspiel daraus machen, so im Bingo Stil. Trink jedes Mal wenn du das Wort „Travel“, „Wine“ oder „Gym“ liest. Online Dating ist ein fester Bestandteil der modernen Liebe geworden. Meine Mutter hat ihren Freund übers Internet kennen gelernt, meine Patentante auch und auch ich habe damals meinen ersten richtigen Freund übers Internet kennen gelernt. Lange habe ich mich aber trotzdem vom App Tinder ferngehalten, bis ich letzte Woche mit einer Freundin darüber sprach und dann meinen Account aus einem Akt der Neugierde wieder aktiviert hab.

Trotzdem ist es irgendwie ein Tabu Thema oder immer noch Etwas was den Menschen peinlich ist. „Ich lerne lieber Menschen im echten Leben kennen.“, sagten mir viele meiner Freundinnen. Wer schon nicht? Wer würde nicht gerne angesprochen werden während man seinen Kaffee trinkt und am besten gerade ein unglaublich schlaues Buch liest. Klingt ja dann auch besser wenn man es anderen Menschen erzählt oder im Ideal (oder Härtefall?) seinen Kindern.

Irgendwie macht mir das nicht so viel aus. Natürlich ist es nicht super romantisch aber aber letztendlich doch ein grosser Teil dieser Zeit. Man verpasst sich immer im Leben, die wenigsten trauen sich noch jemanden anzusprechen und angesprochen wird man ja generell von den falschen. Die Ansprüche sind hoch und in gewisser Weise kann man ja übers Online Dating schon die gröbsten Hürden aus dem Weg räumen, wie zum Beispiel ob einem der andere rein vom Aussehen her gefällt. Auf die Gefahren des Online Datings will ich jetzt eigentlich gar nicht so genau eingehen sondern viel mehr darauf wie sich dieser Mikrokosmos verhält.

Ich bin ein eher wählerischer Mensch. Nicht mal unbedingt was das Äussere betrifft (auch wenn ich hier wohl einen merklichen Typ habe) sondern mehr im Bezug darauf wie ein Mensch mit mir redet. In der Welt des Online Datings ist dies rein auf das Schreiben reduziert. Ich muss zugeben, dass die falsche Schreibweise oder der falsche Humor bei mir dazu führt dass ich wahnsinnig schnell das Interesse verliere, da kann das Gesicht noch so schön sein. Funktioniert im echten Leben ja relativ ähnlich. Wenn ein Typ mich mit Small Talk fragen löchert und den scheinbar wahnsinnig beliebten Spruch von „Was macht eine Frau wie du auf Tinder???“ daher kommt, bin ich schnell weg. Auch der Verzweifelte Versuch sich interessant zu machen ermüdet mich. Auf die Nachfrage was ein junger Mann denn arbeite nachdem er von seinem Job geschwärmt hat, antwortete er „Bei der Bank XY, hab ich zu viel versprochen?“. Ja hast du, vielen Dank und auf wiedersehen.

Viele der Männer wirken wahnsinnig unbeholfen und die Verzweiflung scheint durch ihre Finger mit in die Nachricht einzufliessen. Natürlich gibt es ja auch immer einen Grund warum man sich auf solchen Plattformen bewegt, dies ist übrigens die zweibeliebteste Frage. „Was suchst du auf Tinder?“ Ich weiss es selber nicht so genau. Eigentlich war mir nur langweilig und ich wollte Aufmerksamkeit, das wäre die ehrlichste Antwort. Suchen tue ich eigentlich nichts. Ich suche weder nach einer ernsten Beziehung noch nach One Night Stands, trotzdem schliesse ich beides nicht aus. Man will sich eben Mal umsehen, schauen was so da ist und vielleicht einfach Mal ein paar unverbindliche Worte mit Männern wechseln, die man sonst vielleicht nicht auf der Strasse ansprechen würde. Man kann sich verstecken, in meinem Fall ist es ein erstes Herantasten daran, mich wieder auf den „Markt zu schmeissen“ nach Monatelangem Herzschmerz, aber auch das werde ich wohl kaum auf mein Profil schreiben. Ich erwische mich selber bei dem Gedanken, wie es mir unangenehm ist wenn Leute die ich kenne über mein Profil stolpern, jedoch muss man einfach sagen (und das gilt eigentlich für die meisten Menschen in meinem Alter die sich auf Plattformen dieser Art bewegen), dass man das Ganze nicht so Ernst nehmen darf. Natürlich kann man versuchen hier eine Ernsthafte aktiv zu suchen, auch wenn es vielleicht schwer ist, jedoch sollte man es vielleicht eher locker nehmen, so mach ich es zumindest. Es ist letztendlich eine Form der Unterhaltung und das sage ich keinesfalls weil ich arrogant wirken möchte und sage dass ich mich über Menschen lustig mache die diese Methode der Partnersuche sehr viel Ernster nehmen. Es ist lediglich meine Art mit dieser Methode der Partnersuche umzugehen.

Ich glaube die ganze Geschichte ähnelt dem echten Leben mehr als man denkt. Man muss offen bleiben, schauen was sich ergibt und notfalls muss ich meinen Kindern dann eben erklären dass ich ihren Vater auf einer Dating Seite kennen gelernt habe, wer weiss was es dann für Methoden gibt und Tinder gilt dann schon wieder als Old School Romantisch.

 

P.S Habe demnächst mein erstes Date, ironischerweise mit einem Typen der mich mal angesprochen hat beim Feiern und den ich zufällig auf Tinder wieder entdeckt habe. …..Ich Häuchlerin

Die Jägerinnen oder stehen wirklich alle Frauen auf Arschlöcher?

(Ich entschuldige mich in aller Form für die Verwendung von Kraftausdrücken)

Ich sass gestern, an einem verschneiten Sonntagnachmittag, mit einer Freundin in einem Kaffee. Ich kenne sie schon wahnsinnig lange und wir sind uns in vielen Punkten sehr ähnlich. In einer Sache unterscheiden wir uns jedoch sehr. Sie erzählte von ihrem Wochenende und dass ein Typ, den sie vorher schon kannte, sie geküsst hätte. Sie hatte es schön gefunden aber hatte auf die Dauer fast genug von ihm. „Weisst du, es ist dann nicht mehr spannend für mich. Ich muss ja gar nichts machen, ich steh wohl doch eher auf Arschlöcher.“

Das hört man ja oft. Alle Frauen stehen auf Arschlöcher und die netten Jungs werden einfach stehen gelassen. Ich persönlich stehe gar nicht auf Arschlöcher, oder auf jeden Fall nicht auf Typen denen ich hinterher rennen muss oder die mich schlecht behandeln, dies wäre wohl der sicherste Weg mich ziemlich schnell los zu werden. Ich persönlich mag nette und höfliche Männer und ja, sehr klischeehaft werde ich lieber erobert. Ich meine damit nicht, dass ich niemals Eigeninitiative ergreifen würde, sondern mehr dass ich es eigentlich mag wenn ich das Gefühl habe gemocht oder sogar begehrt zu werden. Dieses Haschen nach Aufmerksamkeit und das ewige „Mag er mich?“ halte ich kaum aus. Spielchen finde ich ermüdend und anstrengend. Aber gibt es Menschen oder Frauen die das bevorzugen? Geht es um den Kick des Erobern, des Kämpfen? Was wenn man dann am Ziel angekommen ist? Wenn man den vermeintlichen Bad Boy weich geklopft hat? Wird’s dann langweilig und man geht weiter oder ist das dann die ideale Beziehung?

Die Fragen scheinen endlos und eine allgemeine Antwort ist nicht zu finden. Man muss vermutlich auch unterscheiden zwischen einem Typen der etwas verwegenes hat und nicht so leicht zu durchschauen ist, über den man sich gerne auch mal (künstlich) aufregt und aus dem man eben einfach nicht schlau wird und einem Mann der sich absichtlich schlecht verhält und dem Partner weh tut. Dass die Eroberung eines Mannes des ersten Beispiels seine Reize hat kann ich schon nachvollziehen. Das Frauen auf Männer stehen die sie tatsächlich schlecht behandeln halte ich etwas für ein Gerücht. Natürlich gibt es solche Fälle, jedoch scheinen die ernst zu nehmenden psychischen Problemen zu Grunde zu liegen und dienen nicht als Jammervorlage für Typen die keine Frau abbekommen haben. Beim Schreiben dieses Beitrages merke ich, wie komplex das Thema doch ist. Eine Verallgemeinerung wage ich nicht und meine eigene Meinung als die richtige oder wahre darzustellen schon gar nicht. Jedoch würde ich sagen, dass die meisten Menschen ungern emotional schlecht behandelt werden wollen und dass viele sich nach einer Form von Zuneigung sehnen. Manche wählen vielleicht einfach einen hürdenreicheren Weg dorthin oder bevorzugen es etwas abenteuerlicher.

Ich selber, es mag langweilig klingen, suche nach Sicherheit und Stabilität. Ich bin selber ein eher instabiler Mensch und mein Leben ist ein konstantes Auf und Ab (Paradox!). Aus diesen Gründen, ist jemand der dies verstärkt das letzte was ich brauche. Doch wie irgendjemand mal gesagt hat: Every girl wants a Bad Boy who will be good just for her. Ob klischeehaft oder doch irgendwie wahr, sei mal so dahin gestellt.

Trotz allem: Verkauft euch nicht unter eurem Wert liebe Mitmenschen und glaubt daran dass ihr guter Dinge würdig seid.

Ein neues Jahr oder was ich 2016 gelernt habe

So, dieses Jahr ist nun schon eine knappe Woche alt und ich habe mich mal wieder aufgerafft etwas zu schreiben (einer meiner Neujahrsvorsätze ist es auch regelmässiger zu schreiben). Ich habe lange über das vergangene Jahr nachgedacht und gemerkt dass ich von meinen gesetzten Zielen nur sehr wenige erreicht habe, trotzdem hat sich vieles gebessert. Vor einem Jahr war ich ein Häufchen Elend dass versuchte seine erste Trennung zu verarbeiten, während ich mehr tot als lebendig durchs Leben wandelte. Trotzdem war 2016 nicht das aller berauschendste Jahr und trotzdem versuche ich nun so etwas wie eine Bilanz zu ziehen.

16 Dinge die Rapunzel 2016 gelernt hat:

  1. Ich bin gar nicht so schlecht darin Vorträge zu halten wie ich immer dachte (3 von 5 mündlichen Abschlussprüfungen mit Bestnote abgeschlossen).
  2. Ich weiss was und wo ich studieren will.
  3. Ich darf mein Glück nicht von Jungs abhängig machen, am Ende ist man immer alleine auf der Welt.
  4. Verliebt sein ist trotzdem etwas sehr schönes und ich darf niemanden für die Fehler die ein anderer gemacht hat büssen lassen.
  5. Sich Hilfe zu holen ist nichts verwerfliches oder schwaches.
  6. Wie man eine Champagnerflasche aufmacht ohne dass es knallt oder spritzt.
  7. Sex ohne Gefühle ist möglich aber nicht ganz so schön.
  8. Ich schuldest niemandem etwas ausser mir selbst.
  9. Nein sagen ist immer noch ziemlich schwierig, wir arbeiten daran.
  10. Unproduktivität tut mir nicht gut, ich bin aber froh dass das so ist.
  11. Ich kann einen ganzen Abend in hohen Schuhen tanzen, aber es tut weh.
  12. Über meine Gefühle zu sprechen ist schwer aber manchmal notwenig.
  13. Man kann mit Ex-Freunden nur befreundet sein wenn keine Gefühle mehr da sind.
  14. Gute Freunde zu küssen fühlt sich irgendwie komisch an.
  15. Sport tut auch der Seele gut.
  16. Ich darf nicht immer so hart zu mir selbst sein.

 

Auf ein neues Jahr!

Märchen vom Feiern oder der Schutzmechanismus

Ich habe letzte Woche meiner Freundin J. von meiner Schreibblockade erzählt, dass ich im Moment einfach keine Ideen habe und dass es mich unglaublich frustriert. Sie hat gelacht und gesagt dass wir dieses Wochenende ja sowieso geplant hätten weg zu gehen, und dass das bestimmt genug Stoff liefern würde oder dass sie sonst notfalls selbst dafür sorgen würde dass ich was zu schreiben hätte. Somit entstand eigentlich die Idee, einen Sammelpost aus den skurrilen Erlebnissen zu kreieren. Ob ich damit Menschen anspreche bleibt fraglich, aber im Grunde genommen geht es auch darum ein wenig zu unterhalten (was einer der Grundgedanken bei der Entstehung dieses Blogs war.)

Ich lebe in einer Stadt in der die Lebenskosten unglaublich hoch sind. Wir gelten als sehr reiches Land und wenn Menschen mich im Ausland fragen wie es denn ist in einer solchen Stadt „feiern zu gehen“ dann ist meine Antwort immer dieselbe: teuer. Wir tun es trotzdem, man kennt ja so seine Wege und Methoden und wenn man sich nicht gerade in den teuersten Kreisen mit den super reichen Kids herum treibt, die gerade damit beschäftigt sind das ganze Geld ihrer Eltern zu versaufen und zu verkoksen während sich die Typen Mädchen suchen die auf Geld stehen und Mädchen sich so anziehen damit sie diesen Typen auffallen (not judging), dann kommt man eigentlich ganz gut weg. Es gibt jegliche Clubs bei denen der Eintritt nicht so teuer oder sogar umsonst ist wenn man es vor 24 Uhr vor die Tür schafft. Was sich manchmal als schwierig erweist, wenn man an einem Donnerstag zu Semesterende vor einem Studentenclub steht und über eine Stunde in der Schlange verbringt um dann doch die paar Franken auf den Tisch zu blättern. In diesen Schlangen lernt man die seltsamsten Leute kennen, vor allem junge Männer die in riesigen Gruppen dort stehen und einen verlegen fragen ob man sie rein begleitet, da der Einlass in Clubs immer noch nach relativ sexistischen Prinzipien funktioniert; Frauen kommen immer rein, Männer ohne Frauen kaum. Man tut den jungen Männern manchmal den Gefallen, manchmal nicht, denn die Gefahr dass man sie später nicht mehr los wird ist gross.

Meine liebe Freundin J. ist die interessante Kombination aus Partynudel und Sparfuchs, was dazu führt dass wir beim Feiern selten viel Geld ausgeben. Vorgeglüht wird immer, sie kommt dann immer mit einer kleinen Plastikflasche an in der sich eine klare Flüssigkeit befindet, die selten Wasser ist. „Ich hab noch Gin/Rum/Vodka vom letzten Mal“. Ich finde grosse Menschenmassen nur mit einem gewissen Mass an Alkohol erträglich (äusserst vernünftig, ich weiss), was schwieriger ist sind die Menschen, meistens männlich, die die Situation als Einladung sehen einen zu berühren, ich drehe mich schon lange nicht mehr um wenn eine Hand meinen Allerwertesten scheinbar zufällig berührt auch wenn ich schon gerne das ein oder andere Mal meine Hand lieber im Gesicht eines anderes Menschen rein zufällig platziert hätte. Oder die Typen die mich ansprechen damit, dass ich doch mal lächeln soll (ich leide unter dem Resting Bitch Face Syndrom), ein junger Mann war ein Mal der Meinung dass er mich durschaut hatte und dass es wohl ein Schutzmechanismus wäre und meinte ganz verständnisvoll dass er das verstehen könnte aber ob ich nicht trotzdem kurz für ihn lächeln wolle. Ich erkläre diesen Typen dann meistens, dass dies einfach der Grundzustand meines Gesichts sei und sie es nicht persönlich nehmen sollen, kurz darauf drehe ich mich meistens ab und lasse die Hobbypsychologen mit ihren Theorien alleine. Die interessantesten Gespräche finden jedoch meistens vor dem Club statt, so habe ich schon einmal einen Heiratsantrag (mit Kniefall!) erlebt und tiefgründige Gespräche über die Zukunft erlebt. Den Prinz zum Beispiel, habe ich vor einem Club kennen gelernt, sehr märchenhaft.

 

Ein weiteres Phänomen ist die Logik der Männer die zu zweit unterwegs sind und dich mit deiner Freundin zusammen ansprechen. Der eine versteht sich dann blendend mit deiner Freundin während du mit seinem Freund abgespeist wirst, der es als absolut logisch empfindet, alles parallel zu seinem Freund zu tun. Nein, ich habe keine Lust dich zu küssen nur weil dein Freund das grade bei meiner Freundin tut. Das gute an grossen Menschenmassen ist, ist dass man leicht auch wieder verschwinden kann. Manchmal lässt man sich aber schon küssen, (mit 20 darf man sowas noch oder?) was auch so eine Sache für sich ist. Es kann lustig sein, man hat diesen Typen mit beinahe kindlichem Stolz an sein Ziel gekommen ist bis zu dem Moment wo man sich verabschiedet. Da macht sich Enttäuschung breit. „Willst du nicht… also, du kannst auch noch mit zu mir kommen!“ Sie werden unglaublich hingebungsvoll in solchen Momenten und machen auch fast einen Kniefall, ich sehe nichts verkehrtes darin so etwas zu tun jedoch ist der Gedanke daran mich in ein fremdes Bett zu legen, wahrscheinlich keine Möglichkeit zu haben mich abzuschminken (was mir unglaublich wichtig ist) und einen peinlichen nächsten Morgen zu haben nicht ganz so verlockend, also verabschiede ich mich gerne lächelnd und lehne dankend ab.

Es gibt nichts schöneres als am Ende eines solchen Abends ins eigene Bett zu fallen, das obligatorische Wasser zu trinken und sich (abgeschminkt) dem Schönheitsschlaf zu widmen beziehungsweise seinen Rausch auszuschlafen, vor allem mit dem Wissen dass das Portemonnaie nach einem Abend in der dritt-teuersten Stadt der Welt noch ungefähr gleich voll ist wie zu Anfang.

Die Wichtigkeit der Wut oder wie ich die rosarote Brille verlor

Da war ich wieder, ein zweites Mal vom selben Typen sitzengelassen worden, auf die genau gleiche Art (wem das grade nicht viel sagt kann hier über meine Naivität nachlesen). Ich stand wieder vor dem riesigen Berg des „Über-jemanden-hinwegkommen“. Wie lange dauert’s dieses Mal? Wie viel Tränen muss ich vergiessen? Dieses Mal war es definitiv, das war klar, jedoch schien meinem Herzen das nicht zu reichen. In meinem Kopf war immer noch das Unverständnis darüber dass es nicht geklappt hatte, ein unglaublich sturer Gedanke eigentlich. Doch einer der wesentlichsten Faktoren fehlte: Die Wut. Ich bin der Auffassung dass in einer Trennung die Wut eine grosse Bedeutung hat. Der Punkt an dem man dem anderen nicht mehr alles verzeiht oder den Fehler bei sich sucht (Dinge die ich oft tue, vor allem beim Prinzen). Ich sagte ihm damals dass ich gerne wütend wäre, es mir aber wahnsinnig schwer fällt und er die bescheuerten Worte von „Du bist viel zu nett zu mir“ sagte. Wahrscheinlich bin ich das, aber was will man tun wenn man jemanden einfach wirklich mag? Ich war noch nie ein nachtragender Mensch, Streit und Konflikt sind Dinge die mich total aus dem Gleichgewicht bringen und die ich um jeden Preis vermeide (sehr erwachsen). Ich war also zu erst einfach nur traurig und enttäuscht, die fehlende Wut schien die Mission des „Über-jemanden-hinwegkommen“ unmöglich zu gestalten, doch dann machte es mir der Prinz höchst persönlich sehr sehr einfach. Auf Grund von ein paar gemeinsamen Freunden kam mir zu Ohren, dass die Geschichte, die er (vielleicht sogar ein bisschen stolz) erzählte sei, dass er nichts Ernstes wollte. Das es nicht funktioniert hatte weil ich so verliebt in ihn gewesen sei wobei er nur was lockeres gesucht hätte. Ich erinnerte mich an die Momente in denen ich von unserer Gemeinsamen Zukunft gesprochen hatte und ihn zu einer ernsten Beziehung überredet hatte und… Moment. Das habe ich nie getan.

Er war derjenige der mich seinen Freunden vorgestellt hatte, der sich tagsüber mit mir treffen wollte, die Begrüssungsküsse eingeführt hatte und Abends für mich gekocht hatte. Wir haben nie wirklich darüber geredet was war oder was werden könnte, es war aber auch in Ordnung so und auch wenn ich mich irgendwann, ein wenig Widerwillen, in ihn verliebt hatte war ich zufrieden mit dem was wir hatten, frei nach dem Gedanken „Mal sehen was die Zukunft bringt“. Er hatte das ganze sehr abrupt beendet, wahrscheinlich aus Angst oder was auch immer. Die Tatsache dass er es so hinstellte dass ich das verliebte kleine Mädchen war dass alles falsch verstanden hatte, während er der sehr coole Typ nie etwas ernstes gewollte hatte war, machte mich, ja da haben wir es, wütend. Es war enntäuschend und natürlich gelangte das alles über ein paar Ecken bei mir an aber ich merkte wie die rosa rote Brille fiel und der Prinz in meinem Kopf seine Krone verlor und eben plötzlich nicht mehr so toll war.

Ich habe ihn vor ein paar Wochen an einer Party getroffen, es war ihm wahnsinnig unangenehm und ich glaube er hat sich geschämt weil er ahnte dass „seine Seite der story“ bei mir angekommen war. Er fragte mich wies mir geht und meinte dass es wohl immer etwas awkward sein würde wenn wir uns sehen. Ich fande es lächerlich. Der Junge der mir noch vor knapp 2 Monaten beteuert hatte wie sehr er mich möge und dass er sich immer freuen würde mich zu sehen stand vor mir und fand es plötzlich „awkward“. Dass ich nicht mehr ganz so nett war, hat ihm wohl auch nicht gepasst.

Seit diesen Momenten geht es mir besser, ich bin trotzdem manchmal noch traurig und vermisse ihn immer noch aber der Prozess der Verarbeiten hat endlich mal begonnen und das lässt mich auf eine bessere Zukunft hoffen, Wütend zu sein kann auch so unglaublich erleichternd sein. Es lässt narzisstische Gedanken wie „Ich bin sowieso viel zu gut für dich zu“, welche etwas albern aber unglaublich wichtig sind.

Das Märchen des Prinzen geht hier mit wohl endgültig zu Ende, und weil wir ja noch nicht gestorben sind so leben wir noch heute, ein bisschen wütend aber auch ein bissen glücklicher.